Wo Schatten ist, ist auch Licht

Aktualisiert: 25. Aug 2019

Zur gegenwärtigen Krise: Bad News are Good News. Menschen mögen schlechte Nachrichten. Das gilt für die alten Medien Zeitung, Radio und Fernsehen genauso wie für die neuen sozialen Medien. Bei Facebook ist das tagtäglich erlebbar. Likes gibt es ohne Ende bei schlechten Nachrichten und Kritik. Bei Linkedin erscheint der Daumen hoch auch bei positiven Berichten.


Kritik an Missständen ist enorm wichtig. Für die Leidenschaft des Negativen gibt es verschiedene Gründe. Die reichen von rechtzeitiger Warnung als Schutz bis zum sich selbst besser fühlen, weil man nicht betroffen ist und sich lebendig fühlt. Wie auch immer. Wer Bad News problematisch findet, ist gut beraten, den Zeigefinger nicht nur auf Schlagzeilen trächtige Medien zu richten, sondern auf die Konsumenten. Krisennachrichten machen noch keine schlechte Welt.


Wie ist es derzeit um die ach so schlechte Welt bestellt? Es gibt Grund zum Optimismus – und zum Pessimismus. „In the long run“ sind wir nicht nur alle tot, sondern geht es uns auch besser. Vieles ist eine Frage der Perspektive.

Zunächst zur dunklen Seite: Welche Krisen erscheinen nennenswert?


1. Finanz- und Bankenkrise: Die Lage scheint besch... und das ist noch geprahlt. Die Schuldenstände sind höher als vor 2008. Für viele Banken ist aufgrund der Null- und Negativzinsen die Geschäftsgrundlage weggebrochen. Vermögenspreisblasen wurden aufgepumpt. Das Euro-System ist nicht besser als die Lateinische Münzunion. Kritiker singen die Songzeile „The end is near my friend“, allerdings seit einigen Jahren. Andere warnen vor dem Ende des Crack-up-Booms. Bankenzusammenbrüche könnten den Anfang machen.


Perspektivwechsel: Es ist noch immer jot jejange. Ist die Lage so schlimm wie 1929? Hand auf’s Herz: so dramatisch wie 1923? Massenhafte Verarmung unausweichlich? Das dürfte unwahrscheinlich sein. Wenn deutsche und europäische Banken straucheln, werden sie verstaatlicht wie schon die Commerzbank und Banken am Ende der Weimarer Republik, bei denen bekanntlich die Reprivatisierung Mitte der 1930er Jahre folgte. Die deutsche Staatsverschuldung ist um fast 20 Prozentpunkte seit 2010 gesunken. Bis zu japanischen Verhältnissen ist noch viel Luft.


Krise heißt außerdem Bereinigung und Umkehr. Sie ist also notwendig und begrüßenswert. Wappnen kann man sich auch, ob Wertpapiere, Gold oder Immobilien. Bankaktien werden vielleicht zu Pennystocks. Na und? Fintechs beginnen den Markt umzukrempeln. Schöpferische Zerstörung ist nicht zuletzt politikökonomisch wünschenswert. Die eigentliche Gefahr scheint mir erneutes Politikversagen zu sein. Das hat schon die Große Depression hervorgebracht.


2. Politikversagen: Die links-grün dominierten Medien warnen vor Populisten und (neuen) Rechten. Liberale würden politischen Neosozialismus, Reformstau und vielleicht systematisches Elitenversagen anprangern – letzteres mitunter im eigentümlichen Schulterschluss mit linken und rechten Gruppen. Flüchtlings- und Sicherheitskrise dürfen nicht unerwähnt bleiben, betreffen sie Teile der Bevölkerung doch direkt durch abnehmendes Sicherheitsgefühl und Straftaten von Ausländern. Hinzu kommen Geringqualifizierte und Transferempfänger, die sich als im Stich gelassene Mündel fühlen.


Perspektivwechsel: Die politische Minderleistung ist seit eineinhalb Jahrzehnten ein besonderes Ärgernis und so auch nur in der politischen Sphäre möglich. In der Wirtschaft wäre wohl Bankrott die Folge. Die Verantwortung tragen allerdings an erster Stelle die Wähler und insbesondere Geringqualifizierte, letztere zusammen mit Rentner auch die monetären Folgen.


Für Wohlhabende kann die Politik mit ihren hohen Kosten und geringen Leistungen Peanuts ähneln, vom Strompreis über Mieten bis zur Bürokratie – lästig, aber hinnehmbar. Auswandern ist jederzeit möglich, wenn es auch in Deutschland so schön ist, dass es keine Massenbewegung gibt. Marode Infrastruktur ist ein Ärgernis, mehr aber auch nicht.


Es wird viel gemault, aber nicht protestiert. So wird es nicht besser.


3. Klimahysterese: Sozen, gut vernetzte Lobbyisten und Profiteure aller Couleur in „Wissenschaft“, Medien und Ökoindustrie beten den Weltuntergang herbei. Die Deutschen sind wieder einmal Wahnführer. Deutschland dämmt, schreddert Vögel, zermatscht tonnenweise Insekten und zerstört die Landschaft. Deindustrialisierung ganzer Branchen und Black out sind nur noch eine Frage der Zeit. Strom- und Energiepreise haben das übliche Staatsinterventionsniveau.


All das hat nullkommajosef Auswirkungen auf das Klima.


Perspektivwechsel: Vorsorge für mehrtägige Stromausfälle treffen zu müssen, das ist schon grotesk und war bislang auf Venezuela sowie Staaten in Nah-/Mittelost und Afrika beschränkt. Aber, vorsorgen ist möglich und etwas abenteuerlicher Lichterschein bei Handy- und Tablet-Abstinenz hat auch was.


Das freitägliche Hüpfen fürs Klima ist inzwischen nur noch albern, ähnlich wie die Rekord- und Schreckensmeldungen. Anlass genug sich etwas substanzieller mit der Erdgeschichte und der Geschichte der Natur zu beschäftigen. Der selbstverschuldeten Unmündigkeit kann man entkommen.


Was betrifft uns wirklich und was ist nur politisches Theater?


Bei all der Aufregung und all der negativen Sicht, dem Reden vom Nieder- und Untergang, lohnt es sich, innezuhalten.

  • Was betrifft mich wirklich und in welchem Ausmaß?

  • Tue ich etwas, um die Lage zu verändern oder jammere ich lustvoll?

Wer den Durchmarsch der 68er beklagt, gerade auch in der Bildung, sollte etwas tun. Die Liberalen haben nicht genug getan, vielleicht sogar versagt.


Über die schlechten Umstände zu klagen reicht nicht aus. Anpacken ist gefragt.


Sonst: Klappe halten und freuen über all die Verbesserungen im Alltag. Ein einziges Beispiel: Was kann man mit einem iPad nicht alles machen: Bibliothek, Schreibmaschine, Fernseher und Kino, Fotoapparat und -album, Videotelefon und Spielesammlung sowie Stammtisch in einem – verbunden mit der ganzen Welt.


Die Welt verändert sich seitdem es sie gibt. Der Fortschritt ist mitunter steinig. Gute und schlechte Phasen sind Teil des Lebens. Es kommt darauf an, was man daraus macht.


Baby, life's what you make it Celebrate it Anticipate it Yesterday's faded Nothing can change it Life's what you make it

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