Steuern Kindern erklärt

Bildung gilt weltweit als Schlüssel für ein besseres Leben, gerade für die nachwachsenden Kinder.


Wirtschaftliches Handeln von Kindern und Erwachsenen, bei letzteren vielfach unternehmerisch organisiert, zielt stets auf bessere Lebensverhältnisse. Und der Staat ist fast immer als Dritter an den Tauschgeschäften beteiligt. Das gilt schon deshalb, weil bei jedem Tauschgeschäft der Staat Geld einzieht.


Die Regeln für die Besteuerung bilden vielfach selbst für Fachkundige ein Dickicht. Bildungs(nachhol)bedarf besteht in Deutschland bei wirtschaftlichen Sachverhalten nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder. Das ist im Bereich Steuern eine besondere Herausforderung.

Drei bedeutende Fragen stellt der erfahrene Steuerberater Stephan Ring seinem Buch „Kinderleicht erklärt - Steuern“ auf dem Cover voran, das von der Illustratorin Carolina Wolfrum sehr schön gestaltet wurde: Was macht ein Steuerberater? Was sind eigentlich Steuern? Und warum ist das alles so kompliziert? Zwei der drei Fragen wurden für mich anschaulich beantwortet. Die mittlere bleibt ein etwas offen. Sehr hilfreich ist das Frage-Antwort-Glossar zum Schluss.


Warum bleibt offen, was Steuern eigentlich sind? Vielleicht liegt das daran, dass die Geschichte eines von Kindern für Kinder renovierten Spielplatzes zunächst ein Musterbeispiel unternehmerischen Handelns darstellt. Ab dem Moment, wo die selbst organisierte Politik ins Spiel kommt und Steuern das Eintrittsgeld ersetzen, wird es kompliziert. Immer mehr Regeln werden aufgestellt. Das ist zugleich sehr realitätsnah. Und es erfordert Nachdenken.


Sehr deutlich wird, dass der Versuch, Menschen nach ihren individuellen Lebensumständen unterschiedlich zu behandeln, viele Schwierigkeiten aufwirft. Gelungen erscheint mir wie der Steuerberater das steuerpflichtige Kind berät einen bestmöglichen Weg durch das Regeldickicht zu finden.

Im Buch wird aus bemühter „sozialer Gerechtigkeit“ für jedes einzelne Steuerkind schließlich Steuergerechtigkeit verstanden als geringste Steuerbelastung für das schwer belastete Steuerkind. Auch das ist sehr realistisch nicht nur angesichts der kalten Progression.

„Der Steuerberater führt letztlich wieder Steuergerechtigkeit herbei, indem er jedem zu seiner geringsten Steuerlast verhilft. Aber das erkennen die gutwilligen Macher der Gesetze, aber auch die davon betroffenen Kinder, zunächst nicht.“

Zurück bleibt bei mir folgender Eindruck: Steuern sind sowohl unangenehm kompliziert und ungerecht als auch keine gute Alternative für unternehmerisches Handeln. Letzteres hätte zu weiteren Spielplätzen mit Eintrittsgeld in Form von Pfandflaschen führen können. Die Tauschpartner hätten bestimmt nicht Dritte.


Zugleich schließt sich so der herrschende, unauflösbare Konflikt zwischen selbstbestimmtem, kooperativen Handeln und der öffentlichen politischen Sphäre. Dieses Spannungsverhältnis sollte Teil ökonomischer Bildung sein, wird sich jedoch nicht für jeden Leser erschließen, zumal nicht für die Kleinen, denen vorgelesen wird.

Stephan Ring und Carolina Wolfrum: Kinderleicht erklärt - Steuern, Mathilda Verlag o.O. 2020, 25 S., 12,90 Euro.

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