Rush: „The Lyrics Set Me Free“

Aktualisiert: 29. Juni 2019

„Life, Liberty and the Pursuit of Excellence“ zeichnen die kanadische Rockband Rush aus. Dieser Ansicht sind Fans wie der Autor der gleichnamigen Band-Biographie Robert Freedman.

Rush live - Quelle: Wikipedia

Rush gelten als libertär. Dieser Ruf stammt vor allem aus ihrer Gründungs- und Durchbruchzeit. Der Drummer und Songwriter Neil Peart pries Ayn Rand als brilliante Frau und Denkerin sowie exzellente Autorin. Das Album „2112“ gilt als musikalische Realisierung von Rands Buch „Anthem“ und markierte Durchbruch und Verkaufserfolg der Band zugleich.


Rush lässt sich indes eher als klassisch liberal charakterisieren. Die Rand-Zeit ist Geschichte. Ohnehin wichtiger als eine politische Etikettierung ist die individualistische Haltung der Band – im persönlichen, nicht politischen Sinne und nicht isoliert, sondern gerade im individuellen Miteinander. Die individualistischen Werte von Rush betont auch der klassisch liberale Ökonom Steven Horwitz, der sogar einen Aufsatz über Rush publiziert hat.


Nach 40 Jahren haben Rush, die 2013 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen wurden, keinen Ruf mehr zu verlieren. Ihre Texte sind als philosophisch „sophisticated“ anerkannt und gelten zuweilen als inspirierender Einstieg in die Ideen von Aristoteles, Heraklit, Cicero, Seneca, Erasmus von Rotterdam, Adam Smith, Hemingway, Tolkien und anderen Selbstdenkern. Tief verwurzelt in der westlichen Tradition von Humanismus und Individualismus stehen Rush für musikalische Exzellenz und Kreativität sowie politisch für die Würde des Menschen und das Misstrauen gegenüber Autoritäten. Dazu eine Kostprobe aus dem Album Hemispheres (1978):

We can walk our road together If our goals are all the same. We can run alone and free
If we pursue a different aim. Let the truth of love be lighted, Let the love of truth shine clear. Sensibility, armed with sense and liberty, With the Heart and Mind united in a single perfect Sphere.

Rush sind in Europa weniger bekannt als auf dem nordamerikanischen Kontinent. Das Trio aus Toronto hat sich stets dem Mainstream entzogen und zugleich den Beweis erbracht, dass sich das auszahlt: musikalische Freude, Millionen Fans, Wohlfahrt für beide: Band und Zuhörer.


Stilistisch haben sich Geddy Lee, Alex Lifeson und Neil Peart über die Jahrzehnte weiter entwickelt und gewandelt, was u.a. der Anteil von Synthesizer-Sounds und die Neigungen zu Pop und Heavy Metall hörbar machen. Rush werden zum Genre des Progressive Rock gezählt. In einer Kritik schrieb Siggy Zielinski, Rush hätten die „Schallmauer zwischen Hardrock und Heavy Metall überwunden“. Wer die häufig langen Stücke hört, erkennt das Sphärische und das stoisch anmutende des Sounds. Neil Peart erklärte einmal sinngemäß: Hard Rock ist unsere Musik, mit Hard Rock sind wir aufgewachsen, Hard Rock fließt aus uns heraus.


Wer würde bei der ausgewiesenen Live Band bezweifeln, dass sich das Trio im Flow befindet? Das ist insbesondere für Geddy Lee eine Herausforderung, der zugleich als Bassist, Sänger und Keyboarder fungiert. Zugleich gilt die Band als musikalisch und technisch vorbildlich. Dazu passt die Selbsteinschätzung, die an Quarterback Tom Brady, der im ersten Band „Freiheitsliebe“ erwähnt wurde: Rush halten von 120 Konzerten nur etwa 3 für perfekt. Tom Brady konstatierte selbstkritisch weniger als 10 von 100 seiner Würfe seien für ihn perfekt.

Freunde der Freiheit und des Unternehmertums dürfte die Logistik begeistern, die Rush meistern. In seinem mit grandiosen Fotos ausgestatteten Buch „Far and Wide: Bring that Horizon to Me!“, eine Art „R40“ (Rush 40 Jahre Konzerte) Tour Tagebuch von Neil Peart, werden Risiko und Entdeckungsleistungen sichtbar, die den Transport von Tonnen Material durchschnittlich alle drei Tage an einen neuen Konzertort mit sich bringen.

Musik ist harte Arbeit und Kunst zugleich. Neil Peart, der nach dem Ranking der Zeitschrift „Rolling Stone“ zu den besten Drummern aller Zeiten gehört, hörte niemals auf Unterricht zu nehmen – ein Meister sei auch nur ein lernender Meister.


Das Bekenntnis „The lyrics set me free“ von Neil Peart trägt über die Band hinaus. Die Texte von Rush sind weit entfernt vom vielfach trivialen Liebeslallen gerade auch im Hard Rock. Die Texte von Rush informieren und analysieren, wollen erziehen und kritisieren – in der Absicht, dass Zuhörer eigene Dummheiten erkennen und ihre Einstellung ändern. Ein geradezu therapeutischer Ansatz.


Hörer werden es bestätigen, es steckt mehr im Sound als nur die Kraft der Texte und Emotionen (Rush live in Dallas). Vielleicht ist es die tiefe Kraft der Freiheitsfreude. Vielleicht trägt sie dazu bei, auch schwere Schicksalsschläge zu überstehen; oder es war Neil Pearts stoische Haltung, die damit unauflösbar verknüpft zu sein scheint.


Im Song „Free Will“ von 1980 heißt es:

You can choose from phantom fears And kindness that can kill I will choose a path that‘s clear I will choose free will

Selbst Ziele stecken und Wege finden, sie zu erreichen - auch die Mitmenschen werden davon profitieren, das ist die zeitlose und inspirierende Botschaft von Rush. Sie gibt Halt und Hoffnung.

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