Paris – der Lack ist ab

Aktualisiert: 12. Juni 2019

Paris gilt als Stadt der Liebe. Paris ist das Verwaltungs- und Herrschaftszentrum Frankreichs. Es fehlt nicht an Repräsentationsbauten, Kunstschätzen und Boulevards, aber an Neuem, an Innovativen. Anders als in London gehen Tradition und Moderne keine architektonische Symbiose ein.

Das ist zumindest mein touristischer Eindruck.

30 Jahre hat es gedauert bis ich wieder an der Seine war. Das Alte ist noch da, auch das neue Alte wie La Défense.

Viele Sehenswürdigkeiten sind in ordentlichem Zustand und wie in anderen Hauptstädten völlig überlaufen. Der Wohlstand hat sich in den letzten Jahrzehnten global rasant ausgebreitet. Millionen Touristen erdrücken Highlights: Gedränge und Geschiebe vor der Mona Lisa. Langes Warten in der Fast Lane vor dem Eiffelturm. Bald wird es Kontingentierungen für die Selfie-Massen geben müssen wie in Mailand bei Leonardo da Vincis Abendmahl.

Was in Paris fehlt? Dynamik. Aufbruch. Attraktive Damen. Wenn die Kleidung ein Hinweis auf den Zustand einer Nation ist, dann: Gute Nacht Frankreich. Ökoschluffig, high wasted Jeans statt Stil und Sexappeal. Die Stadt scheint von ihrer Vergangenheit zu zehren. Zentralismus als Verfallsprodukt auch der Moderne? Vorsicht vor Verallgemeinerungen, aber wer den Niedergang des Westens sucht, der kann ihn an der Seine finden. Früher konnte man locker auf den schwachen Franc schauen - mit der D-Mark in der Hand. Die weniger produktive, weniger leistungsfähige Wirtschaft jenseits des Rhein erschien als Klassenunterschied. Inzwischen zeitigt die Harmonisierung der EU Erfolge.


Runtergekommene Baustellen, kaputte Straßen und Bürgersteige, recht schmutzig ist es noch dazu. Völlig verstopfte Innenstadt. Der Lack ist ab. Allerdings war entgegen der Erwartungen, inspiriert von Houellebecq, bei den Streifzügen keine Unterwerfung sichtbar; sichtbarer Islamismus gar Fehlanzeige. Vielen E-Scootern begegnet man. Trotz mitunter eigensinniger Fahrweise gibt es keinen erkennbaren Regulierungsbedarf. E-Scooter sind ein hilfreiches Mittel für neue Verkehrskonzepte.


Will Smith ist überzeugt, dass Städte und Menschen zu einander passen können, dass es es energetische Kraft gibt, die er vor allem in Miami spürt. Er schläft dann weniger, ist bei seinen Workouts leistungsfähiger und sprüht vor Energie. In Paris würde ihm das nicht passieren. Mir auch nicht. Vielleicht geht es Ihnen anders. Die einstige Grande Nation weist der Welt indes sicher nicht den Weg in die Zukunft. Ob sie bei dem Zentralismus ein wenig kopflos ist?


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