Nur für mündige Menschen

Aktualisiert: 2. Juni 2019

Stefan Blankertz ist Wortmetz. Er gibt Wörtern in Sätze gemeißelt eine Gestalt – und viel Gehalt. Die Perspektive des politischen Lyrikers und lyrischen Privatpolitikers ist konsequent gegen Staat und Gewalt gerichtet; unermüdlich und mitunter kontrafaktisch setzt er sich für den „Wert der besseren Ideen“ ein, vor allem für Toleranz und Freiheit.


Das neueste Buch von Stefan Blankertz trägt den Titel: Migration, Integration und Wohlfahrtsstaat: Freiheit ist die Lösung, und kein „Problem“. Als vielschichtiger Debattenbeitrag entzieht es sich den herkömmlichen Deutungsmustern mit konsequent anarchokapitalistischem Denken. Ins Zentrum ließe sich Milton Friedmans Diktum stellen: Entweder freie Migration oder Wohlfahrtsstaat und das bedeutet den Wohlfahrtsstaat abschaffen.


Der erneut feinsinnig und liebevoll gestaltete Band ist nur für mündige Menschen und Selbstdenker geeignet. Die Lektüre gelingt bei einem guten Tee genauso wie in Begleitung eines Whiskeys. Erhellend ist die Geschichte des Intelligenztests, der an der Intelligenz seines Erfinders und seiner Befürworter zweifeln lässt. In der nordsyrischen Region Rojava, weis Stefan Blankertz zu berichten, ist eine private Vertragsgesellschaft entstanden. Urheber: ausgerechnet der vom Marxismus-Leninismus zum Rothbardianer geradezu konvertierte PKK-Chef Abdullah Öcalan! Eine bemerkenswerte Sezession und Selbstbestimmung.


Breitenwirkung sollten die vier Vorbehalte gegen das vermeintlich Bedingungslose Grundeinkommen entfalten. Dazu gehört die Frage, was mit dem uferlosen Verwaltungsapparat des Wohlfahrtsstaates geschehen soll, dessen zumindest partiell wahrscheinliche Aufrechterhaltung das Ausmaß der Transfers mindert. Zugleich könnten die Staatsdiener nur dann einer wertschöpfenden Tätigkeit nachgehen, wenn die Arbeitsmärkte dereguliert werden würden. Die Transformation des Systems der „Verhausschweinung“ erscheint unrealistisch.


Bereits in der Vorbemerkung macht der Berliner Freiheitsfreund deutlich, dass er den Kategorien links und recht allenfalls satirische Bedeutung zumisst. Im letzten Drittel des Taschenbuchs findet sich eine Erklärung für die ungebrochene Attraktivität der „Links-Rechts-Topographie“: beliebig füllbare Inhaltsleere.


Vielleicht gehören Sie, verehrter Leser, auch zu den unabhängigen Menschen. Stefan Blankertz hat Murray N. Rothbard in Deutschland bekannt gemacht. Sein Institut gegen Ideologiekritik trägt den Namen des führenden Anarchokapitalisten. Wegweisend ist über den Links-Rechts-Wirrwarr hinaus dessen Feststellung:

„if you’ve been called an anarchist, a racist, a hippy, a fascist, a liberal, and a neocon all in the same day ... you’re probably a libertarian“.
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