Null Erinnerungsvermögen - oder: Wie Natur und Hirn vertrocknen

Updated: Feb 9, 2019

Vor zwei Wochen traf ich einen Bekannten auf der Straße. Der Smalltalk streifte auch das Wetter. Mein Bekannter bemerkte, angesichts des offensichtlichen Klimawandels, müssten wir uns dauerhaft auf so heiße Sommer einstellen.


Als Historiker frage ich mich, ob es Menschen gibt, die nur im Jetzt leben. Im Buddhismus ist das ein Ziel: Achtsamkeit – volle Konzentration auf den Moment. Das hilft beim Leben. Der miese Sommer 2017, der kaum einer war, der so verregnet war, dass die Menschen stöhnten und sich nach Sonne sehnten, scheint vollkommen vergessen zu sein. Wie schön – keine schlechten Erinnerungen mehr.


Leider scheint zugleich die Erinnerung an andere herrliche Sommer verschwunden zu sein. 2003 gab es in Berlin Wochen lang Temperaturen von über 30 Grad. Der Asphalt wurde weich, was ich beim Fahrradfahren spürte.


2006 spielte das fußballerische Sommermärchen sich bei hohen Sommertemperaturen ab. Ich erinnere mich noch an das 1:0 gegen Polen bei großer Wärme fast im Dunkeln.


Und wer kann sich noch an die heißen Sommer in der Kindheit der 70er und 80er Jahre erinnern? Verdörrtes, verbranntes Gras in Schwimmbädern.


Im August 1975 nahm die größte Brandkatastrophe der Bundesrepublik Deutschland ihren Lauf mit riesigen Waldbränden in der Lüneburger Heide. Der heiße Sommer trug dazu bei. Angesichts der Trockenheit musste die Bundeswehr schließlich mit Bergepanzern große Schneisen durch die Kiefernwälder ziehen, um die Brände eindämmen zu können. Als Kind war das spannend zu beobachten. Das gilt auch für die außergewöhnlichen Stürme 1972 und 1976, die entsprechend riesige Windwurfschäden nach sich zogen.


Dreharbeiten zu dem Film Engelein mit Asta Nielsen. Darstellerin und Kamerateam arbeiten im See (Sommer 1913).

In Deutschland erlebten unsere Vorfahren heiße Sommer: 1913 gab es einen Jahrhundertsommer (siehe Bild mit Filmdreharbeiten im Sommer 1913). Über 100 Jahre später besteht nun die Chance, diesen einzustellen. Geschenkt, dass die Messungen heute aufgrund fragwürdiger Standortbedingungen vielfach problematisch sind und die Luft nie so sauber war wie heute, anders als in der Hochzeit des Industriezeitalters als es noch rauchende Schlote gab.


Zwei BZ-Redakteure haben in den Archiven der Zeitungüber 100 Jahre Wetterberichte und Fotos durchgesehen. Ein Ergebnis: „1959, 1976 und 2003 schwitzte Berlin, wie ganz Europa, damals gab es sagenhafte Hitzewellen. 1947 wurden an sage und schreibe 26 Hitzetagen mehr als 30 Grad verzeichnet – ein Rekord.“ Noch liegen wir in Berlin Dahlem mit der Juli-Durchschnittstemperatur unter 2003, aber vielleicht schaffen wir einen neuen Rekord. Es ist ein toller Sommer. Das Wetter ist einfach grandios.


Apropos Rekorde. Ein rascher Überblick über die höchsten Temperaturen in Deutschland am 28. Julieines Jahres führt uns zurück bis ins Jahr 1926 für die Zugspitze und 1929 für München.


Vom Wetter lässt sich bekanntlich nicht auf das Klima schließen. Ich würde mich über mehr derartig lange Sommer indes freuen, auch als Fahrradfahrer.



P.S. Wussten Sie, dass die Durchschnittstemperatur in Berlin und Potsdam zwischen 1910 und 1985 stagnierte?


Ich habe mal im MvP-Blog gestöbert. Bemerkenswert ist und bleibt wie heterogen die Ansichten über den Klimawandel und seine Ursachen sind. Hier nur ein paar Blog-Hinweise:


Globale mittlere Temperatur 10 Jahre nicht gestiegen.

Droht uns eine Kleine Eiszeit? “Es wird seit 30 Jahren kälter. Seit 1940 ist die globale Durchschnittstemperatur um 1,5 Grad gesunken. ...“


Der Februar wird in Deutschland seit 30 Jahren kälter.


Es wird (noch) kälter auf der Erde(Abkühlungstrends).


Kimaversager!Die Arktis wird kälter, der Meeresspiegel steigt nicht.


Zweifel am menschengemachten Klimawandel: hier (Um das Jahr 1200 war es beispielsweise mindestens so warm wie heute), Klimawandel verzögert sich – dramatisch, Klimaforscher können Klima nicht vorhersagen,500 abweichende Klimastudien.


Worum es bei der Klimapolitik geht, ist hoffentlich hinlänglich bekannt: Vermögensumverteilung im großen Stil.

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