Leadership & Teambuilding - inspiriert durch einen großen Coach

17 Erfolgsrezepte für Leadership und Teambuilding - Jahrzehnte Führungserfahrung eines amerikanischen Top-Managers und Trainers - Do your job! - Vermeide Konflikte - Alles für und durch das Team - persönliche Haltung entscheidend.


Biographien eignen sich, um etwas über Führen, neudeutsch Leadership, zu erfahren.


Bill Belichick gilt als der größte Coach aller Zeiten, mindestens in der NFL. American Football ist ein anspruchsvoller, komplexer, fordernder Sport – gerade für Coaches und General Manager weit über das Training hinaus. Von Belichick stammt der Spruch:

Players win games, coaches lose them.

Er selbst trägt die Verantwortung für mindestens eine Super Bowl Niederlage, gegen die Philadelphia Eagles 2018 im Super Bowl LII. Er gewann allerdings den darauf folgenden Super Bowl Ring und bereits 7 Ringe zuvor, davon insgesamt 6 als Head Coach und General Manager der New England Patriots in Personalunion.


Unter seiner Führung und mit dem Eigentümer Robert Kraft und dessen Familie als kluge, verantwortungsbewussten Unternehmer wurden die „Pats“ von einem der schwächsten Teams zu einer Dynastie – und das in einer Zeit, in der neue Regeln wie die Free Agency das eigentlich verhindern sollten.


Gute Geschäftsführung, Führungsintelligenz und hohe Motivationsfähigkeit gehören zu den Gründen sowie das Unterordnen persönlicher Interessen unter das gemeinsame Ziel: den Erfolg. Alle Stakeholder ziehen an einem Strang. Jeder macht seinen Job so gut wie irgend möglich.


Derzeit steht Bill Belichick vor einer besonders großen Herausforderung, nämlich den größten Quarterback aller Zeiten, Tom Brady, nach einzigartig erfolgreichen 20 Jahren ersetzen zu müssen.


Wer wissen möchte wie er diese Aufgabe angehen wird, wer sich von einem gleichermaßen erfolgreichen wie eigensinnigen Führer inspirieren lassen möchte, der kann zur umfangreichen Biographie „Belichick“ vom mehrfachen New York Times Bestseller Autor Ian O’Connor greifen. Ein Leben für Football könnte ein geradezu banaler Untertitel lauten. Der wäre indes aus mindestens drei Gründen treffend:

  1. Belichicks Leben dreht sich von Beginn an um Football, schon sein Vater war ein angesehener Coach und Bill als Teenanger ein Football Nerd.

  2. Belichicks Arbeitszeiten sind ein Fingerzeig: Arbeitsbeginn 6 Uhr morgens, Arbeitsende um Mitternacht. Wochenenden sind überwiegend zum Arbeiten da, nicht nur während der Spielzeit.

  3. Belichick sucht Spieler und Mitarbeiter, die Football lieben und die Arbeit nicht als Arbeit ansehen, sondern als Lebensaufgabe und Profession.

Geradezu krass erscheint der Unterschied zwischen dem in den Medien sichtbaren Belichick, vor allem in den schwer erträglichen Pflicht-Pressekonferenzen, und dem in der Biographie wiederholt sichtbar werdenden, gereiften Coach, General Manager, Freund und Philanthrop.


Ein ganzes Buchkapitel, das den Schluss hätte bilden können, ist mit „Human Bill“ überschrieben. Tatsächlich gibt es einen roten Faden in der Biographie, nämlich die Suche nach der menschlichen Seite, nach dem Menschen Bill Belichick. Dahinter steckt auch eine Charakter-Entwicklung vom Tyrann und funktionalen Football-Egomanen in Cleveland zum erfahrenen Coach und Elder Statesman mit maximalem Professionalitätsanspruch in New England. Bill Belichick macht als großer Motivator Spieler besser und kann seinen Mitmenschen ein Vorbild mit großem Herz sein.


Welche Inspirationen für Führung und Team-Building lassen sich der Biographie entnehmen?


Der außergewöhnlich Football intelligente und Praxis orientierte Belichick bietet eine Reihe von Maximen, die sich lose in folgende Themen gruppieren lassen.

Basics


1. Die wichtigste Grundregel lautet: Do your job! Damit ist gemeint, dass man seine Aufgabe erfüllen muss, so gut wie irgend möglich, mit so viel Engagement wie irgend möglich und nur seine Aufgabe. Das ist der persönliche Beitrag zum Teamerfolg, ob groß oder klein. Hinter diesem simpel anmutenden Satz verbirgt sich eine ganzheitliche Führungsphilosophie, die auch das Ausmerzen von Fehlern und die kontinuierliche Verbesserung der eigenen Leistungsfähigkeit beinhaltet.


2. Totale Vorbereitung: Das Beste geben ist alles, was man tun kann. Eine intensive Vorbereitung schafft tiefes Vertrauen. Alles Weitere ergibt sich nach den ersten Spielzügen. Eine umfassende Planung und ein nahezu vollständiges Vorüben sorgt für intuitiv praktizierte Routinen, deckt Spezialfälle ab, schafft entscheidende Situationsvorteile. Zugleich gilt: Etwas besser machen ist stets besser als etwas Besseres fordern.


3. Vertrauen ist unabdingbar für den Erfolg, Vertrauen in den Führer und Vertrauen in das Team. Vertrauen bedeutet auch Zutrauen, sowohl jemandem oder jedem einzelnen – mit Realismus – als auch in den Prozess, der die Grundlage für das tägliche Arbeiten, Trainieren und Verbessern bildet. Wer nach Dreiviertel der Spielzeit 3 : 28 zurückliegt und dennoch sagt: „Wir haben Tom Brady, Mann!“, traut sich das historisch Einzigartige zu.


4. Keine Konflikte schüren, sondern Konflikte vermeiden – als einzelner Teil des Teams und als Führer und Manager. Gesucht werden daher keine Stars mit Allüren, sondern Vorbilder in dem, was sie tun. Mit Tom Brady könnte man ergänzen, dass es sich lohnt, sich auf die positiven Dinge zu konzentrieren, das Gute anzustreben, Hass zu vermeiden und mit Liebe zu begegnen („What do we do about haters? We love them, because we don’t hate back.“). Die Konzentration auf Lösungen schafft Erfolge, die auf Probleme lediglich mehr Probleme.


5. So einfach und realitätsnah wie möglich: Sich auf das Wesentliche konzentrieren und Entscheidungen auf den einfachen Kern reduzieren, sind sowohl Herausforderungen als auch Wege zum Erfolg. Das klingt nach Einstein, der sagte, wenn man etwas nicht einfach erklären kann, hat man es nicht verstanden. Komplexität lässt sich zwar nicht mit Simplizität auflösen, aber wir Menschen können nur eine Sache auf einmal tun und nicht die gesamte Komplexität eines Phänomens mit unserem Gehirn auf einmal erfassen.

Team


6. Alles dreht sich um das Team: Erfolg ist nur mit und durch das Team möglich. Ein gutes Team bewältigt die Aufgabe und gewinnt, nicht ein Einzelner allein, der allerdings streckenweise das Team tragen kann. Belichick bevorzugt intelligente, flexible, disziplinierte Spieler statt großer Talente und herausragender Einzelspieler. Für den Team-Erfolg gilt es zunächst ein gutes Team aufzubauen, aus Mitgliedern, die harmonieren, sich beflügeln und die mehrere Aufgaben übernehmen können. Zudem ist es immer wieder notwendig, für den Erfolg des Teams unpopuläre und unangenehme Entscheidungen zu fällen.


7. Wie bei großen Truppenführern im Einsatz, früher Krieg, gilt die Maxime: Viel fordern, aber nicht mehr als sie selbst bereit sind zu geben, seien es Arbeitsstunden oder Durchhaltefähigkeit und Leidensbereitschaft, sei es die Professionalität, mit der man sich seiner Aufgabe widmet, sei es die Aneignung von Wissen gerade auch im Detail.


8. Mitarbeiter besser machen, sowohl in den Grundlagen als auch in marginal erscheinenden Details, ist eine ständige Praxis, die Belichick geradezu penetrant praktiziert und dabei hohen Druck auf seine Spieler ausübt. Das setzt die Kenntnis von kleinsten Details voraus und die intensive Vorbereitung auf die Aufgabe – viel Erfahrung kann offenkundig nützlich sein. Zugleich ist Belichick offen für Vorschläge und Verbesserungen, da er selbst viele Fehler mache. Außerdem hielt er Besprechungen eigentlich getrennter Gruppen ab, nämlich der Offensive und der Defensive, die so von einander lernen konnten.


9. Wie kann ein Mitarbeiter das Team besser machen? Das ist die Schlüsselfrage für jedweden potenziellen Neuzugang, ob Anfänger oder etablierten Spieler bis hin zum selten akquirierten Star. Wie und wo er bestmöglich eingesetzt werden kann, hängt davon ab, was er leisten kann und was nicht. Es ist sinnlos, Dinge zu fordern, die man nicht kann. Hilfreich hingegen kann es sein, etwas anderes zu fordern als das bisher der Fall war und so nach dem Erkennen einer Stärke diese zu entwickeln und dem Team hinzuzufügen.


10. Nüchterne Fachexpertise dominiert, aber emotionale Bindungen und Maßnahmen, die Emotionen wecken, sind immer wieder entscheidend. Dazu gehört für Belichick Mitarbeiter mit emotionalen Botschaften zu erreichen, etwa das Begraben eines Footballs am Spielfeldrand, um mit einer besonders schmerzhaften Niederlage abzuschließen. Ferner Boxkämpfe als Film und live anschauen, um für die Auseinandersetzung bereit zu sein und durchhalten zu wollen. Aber auch einen Komiker einladen, um für Entspannung zu sorgen und sich als Führer auf die Schippe nehmen zu lassen. Schließlich ein Zitat mit tiefschürfender und zugleich einfacher Botschaft erläutern. Ausgewählte hängen in den Gängen des Gebäudes.


Besonderen Eindruck hat Bill Belichick bei einzelnen Menschen hinterlassen, weil er sich ihnen intensiv gewidmet hat, sei es mit einer Geste wie einem angebotenen Empfehlungsschreiben, Großzügigkeit in schwierigen persönlichen Situationen oder finanziell, indem er einfachen Angestellten Hundert Dollar in die Hand drückt sowie insbesondere im Wissen und in Sorge über persönliche Umstände, die ihm wiederholt nahe gehen.

Strategie


11. Ein uralte Weisheit gehört zu den Maximen, die Bill Belichicks Augen ein wenig leuchten lassen:

„Jede Schlacht wird gewonnen, bevor sie geschlagen wird.“ Sun Tzu.

Wer seine Aufgabe und in der NFL insbesondere seinen Gegner zutreffend analysiert, kann einen Schlachtplan entwickeln, der den Erfolg bringt – häufig mit unorthodoxen Mitteln. Angemerkt sei, dass die enorme Erfahrung Belichick, manche Coaches und Spieler in den entscheidenden Situationen wiederholt in die Lage versetzt hat, das Richtige zu tun.


12. Im Zentrum steht die Antwort auf die Frage: Wie schlägt man einen Gegner? Belichick hat sich als Meister darin erwiesen, die Stärke des Gegners zu identifizieren und ihm diese wegzunehmen. Das kann bedeuten einen Schlüsselspieler durch Deckung oder Angriff zu neutralisieren, das kann auch bedeuten, dem Gegner den Weg für eine Angriffsoption zu öffnen und damit eine andere, gravierende nicht zum Zuge kommen zu lassen. Es kann auch bedeuten, das Spiel zeitlich zu dominieren und so die gegnerische Offensive vom Spielfeld zu verbannen.


13. Bei der Strategie geht es einerseits darum, das große Ganze im Blick zu halten, die geeigneten Mittel für das Erreichen des Ziels auf der Grundlage planvollen Handelns vorzubereiten und einzusetzen. Das ist bekannt. Weniger betrachtet wird die Aufmerksamkeit, die (kleinsten) Details und dem Beherrschen von Details gewidmet wird. Dazu gehört auch, sich für seltene Eventualitäten vorzubereiten, etwa durch ein Training während eines Schneesturms oder das Üben von Ausnahmespielzügen. Genau das sorgte für den unwahrscheinlichen Sieg gegen die Seattle Seahawks im Super Bowl XLIX.

Persönliche Haltung


14. Erfolg ist eine Frage der Haltung und der Verlässlichkeit, nicht nur des Talents. Von Belichick stammt dazu passend: Talent bildet die Grundlage, der Charakter das Limit. Wie bei Tom Brady und dessen Frau, dem Supermodell Giselle Bündchen, stellt Disziplin die alternativlose Voraussetzung für Erfolg dar. Wer seinen Job korrekt macht und jeden Tag das Beste gibt, der hat alles getan. Manchmal reicht das nicht, aber mehr geht auch nicht und weniger reicht nicht, ließe sich locker sagen. Anders betrachtet geht es darum:

„The end depends on the beginning.“

15. Hundert Prozent Einsatz, immer, überall und gerade bei kleinen Dingen, wie dem Üben eines Spielzugs, ist Ausdruck von Disziplin und einer Haltung, sich dem Erfolg zu verschreiben. Das bedeutet auch pünktlich sein, egal welche Umstände herrschen, selbst wenn ein Schneesturm bevorsteht. Als Teilnehmer gilt es bereits 10 Minuten vor einem Termin anwesend zu sein. Belichick hat einen Erfolgsspieler, der wenige Minuten zu spät zur ersten Besprechung kam, ausgeschlossen und so ein Signal gesetzt.


16. In der Niederlage nicht nur Haltung bewahren – „If you lose, talk little, if you win, talk less.“ –, sondern Verantwortung übernehmen und herzliche Verbundenheit leben. Wenn man nichts mehr geben kann, dann bleibt noch das Herz. Genau das tat Belichick nach dem schmerzlich verlorenen Super Bowl LII gegen Philadelphia als hoher Favorit.


17. Ignorieren den Lärm der Medien und des Drumherum draußen: Wer sich auf seine Arbeit konzentriert, ist nicht durch Nebensächlichkeiten abgelenkt, die vom Erfolg abhalten. Außenstehende verfolgen andere Interessen, geben zu vielem ihre Meinung ab, die ist häufig wenig qualifiziert und aufgebauscht. Belichick engagiert sich enorm, um all das von seinem Team fernzuhalten. Zugleich gibt er den Medien keinen Anlass für Spekulationen und ihnen und dem Gegner keine verwertbaren Informationen, die dem Erfolg abträglich sein könnten.


Einschub: Deutlich wird in der Biographie wieder und wieder wie weit auch professionelle Sportmedien von der Realität entfernt sind, wie sehr sie aufbauschen, inszenieren, fehl interpretieren und Geschichten erdichten, regelmäßig mit plausibel klingenden Kausalzusammenhängen, die tatsächlich aber überhaupt nicht passen. Spektakel statt Realität, Küchenpsychologie statt tiefes Verständnis sind Ausdruck von einfachem Bewerten statt ruhigem Nachdenken und tiefer Sachkenntnis.


Deutlich wird überdies wie etwa bei Reinhold Messner: Erfolge brauchen oft mehrere Anläufe. Scheitern bildet eine wichtige Lernquelle und Voraussetzung für große Erfolge.


Bemerkenswert erscheint, dass Bill Belichick ein Anführer ist, der sehr gut Zuhören und Informationen sammeln kann. Selbst ist er hingegen sehr zurückhaltend. Seine mediale Zurückhaltung, seine eigentümliche Bescheidenheit sind selbst gewählt.


Zudem hat er jedem Menge Spezialisten mit spezifischen, kleinen Aufgaben betreut, die das Team besser machen, z.B. eine Art Spielhistoriker, der seltene Spielzüge identifiziert und auch während des Spiels berät (Hintergrund: diese Rolle war Ernie Adams wie auf den Leib geschneidert, der sich nicht als Coach eignete, aber wichtige Empfehlungen mit großem Sachverstand abgegeben kann).


Alle zuvor genannten und viele weitere Impulse fügen sich zu einer beeindruckenden und möglicherweise etwas einseitig positiv anmutenden Liste zusammen.


Es ist an dieser Stelle angebracht zu erwähnen, dass es keineswegs um eine Verherrlichung von Bill Belichick geht, dessen drei Lieblingswörter offenbar „What the fuck?“ sind.


Da es weder um eine Buchbesprechung noch um eine ausgewogene Würdigung seiner Leistungen oder seines Führungsstils geht, habe ich Anregungen ausgewählt, die über die NFL hinaus wertvoll sein können und sich während der Lektüre der Biographie besser verstehen lassen.

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