Hitler - ein Linker?

Für viele Menschen überraschend dürften Hitlers Äußerungen zur sozialen Frage, zur sozialen Gerechtigkeit und zur Chancengleichheit sein.

Adolf Hitler während der Weimarer Republik, Quelle: Bundesarchiv

In wissenschaftlicher Hinsicht könnte das daran liegen, dass in der Forschung und herrschenden Lehre lange Zeit die NS-Ideologie und das Schaffen eines Rassestaats, die Singularität des Nationaloszialismus und seiner Verbrechen so dominierten, dass kaum Platz für die sozial-revolutionären Aspekte von Hitler und den Nationalsozialisten blieb bzw. diese in Debatten angesichts der Monströsität der Verbrechen abgewertet wurden.


Hitler strebte einen Dritten Weg zwischen Kapitalismus und Bolschewismus an. Hitler war bekennender Sozialist, zugleich vehement anti-bürgerlich und anti-kapitalistisch eingestellt.


Zu seinen erklärten Zielen gehörten: soziale Gerechtigkeit, soziale Mobilität und gleiche Aufstiegschancen - für die Arbeiter, also Chancengleichheit, und eine klassenlose Gesellschaft. Das wird zuweilen als reine Propaganda abgetan, ohne jedoch zu überzeugen. Es ist einfach und liegt intuitiv nahe, die Welt in links und rechts aufzuteilen, in rot und braun. Die beiden furchtbaren totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts, die beide "Ordnung durch Terror“ praktizierten, lassen sich so bequem trennen und gegenüberstellen.


Nachfolgend einige vielleicht unerwartete Hitler-Zitate, die sich in der sehr lesenswerten Hitler-Biographie finden: Rainer Zitelmann: Hitler. Selbstverständnis eines Revolutionärs, 5. Aufl. Reinbeck 2017 (Seiten-Angabe zu Zitelmann). Es gelten die üblichen Einschränkungen für ein Quellenstudium, darunter Authentizität prüfen und in den Kontext einordnen.


„Das Entscheidende, sagte ich mir, ist die soziale Frage.“

Tischgespräche November 1941 in Erinnerung an die sogenannte Kampfzeit

S. 155


Hitler glaubte nicht,

"dass je auf Erden ein Staat bestehen könne mit dauernder innerer Gesundheit, wenn er nicht aufgebaut wird auf sozialer innerer Gerechtigkeit“.

Rede August 1920

S. 155


„Wenn wir eine wahre Volksgemeinschaft aufbauen wollen, können wir das nur aufgrund einer sozialen Gerechtigkeit.“

Rede Juli 1925

S. 156


„… wenn mich jemand fragt, weshalb sind Sie Sozialist, so sage ich, weil ich glaube, dass unser Volk nicht auf die Dauer bestehen kann als Volk, wenn es nicht in allen Teilen gesund ist.“ ...
„Nicht aus Mitleid mit dem Einzelnen bin ich Sozialist, nur aus Rücksicht auf unser Volk.“

Rede Juli 1931

S. 157


„Ich habe mich nicht auf den Weg der Politik begeben, um einem internationalen Sozialismus den Weg zu ebnen … Ich bringe dem deutschen Volk den nationalen Sozialismus, die politische Lehre der Volksgemeinschaft, der Zusammengehörigkeit aller, die zum deutschen Volk gehören und die bereits und willens sind, sich als ein unlösbares, aber auch mitverantwortliches Teilchen der Gesamtheit des Volkes zu fühlen.“

zitiert nach O. Wagener, der Äußerungen Hitlers von 1929-1932 festgehalten hat.

S. 163


Den Begriff Chancengleichheit hat Hitler nicht verwendet, aber festgestellt:

Der völkische Staat habe es als „seine höchste Aufgabe zu betrachten, die Tore der staatlichen höheren Unterrichtsanstalten jeder Begabung zu öffnen, ganz gleich aus welchen Kreisen sie stammen möge“. Den „geistigen Schichten“ fehle in Deutschland „die lebendige Verbindung nach unten“.

S. 165

„Nur muss einem jeden die Möglichkeit gegeben werden, die Leiter zu erklimmen.“

Interview mit Associated Press März 1934

S.171


Was gleichermaßen beklemmend wie bezeichnend erscheint, ist, dass Hitler offenbar "soziale Gerechtigkeit" als einen Leitgedanken des Staatsaufbaus ansah und als unbedingt, gleichsam strategisch erforderlich, um die Massen für sich zu gewinnen. Die Realisierung war nur für die Mitglieder der Volksgemeinschaft vorgesehen.


Die heute so populäre politische Parole "soziale Gerechtigkeit" hätte demnach bisher wenig beachtete Wurzeln in den 1920er und 1930er Jahren und wäre ein bedeutendes Element des NS-Regimes. Das würde zu Hayeks hellsichtiger Warnung vor dem Totalitarismus, der Willkür bei der Verwendung des Wieselworts soziale Gerechtigkeit und dem Weg zur Knechtschaft des braunen und roten Sozialismus passen.

MvP-NEWS: SIGN UP AND STAY UPDATED!
  • Grey Twitter Icon
  • Grey LinkedIn Icon
  • Grey Facebook Icon
  • Grey Google+ Icon

© 2018 by MvP.  Proudly created with Wix.com