Ein Lob auf den Kapitalisten Peter Thiel

Unternehmer sind so überaus wichtig für unser Leben heute und für die Entwicklung der Menschheit seit ihren Anfängen. Zugleich ist für mich nicht erkennbar, dass Unternehmer in der veröffentlichten Meinung angemessen behandelt werden. In Stein gehauen und Bronze gegossen sind vor allem Herrscher und Krieger, zudem einige vergötterte Ikonen, glücklicherweise auch Dichter und Denker. Diejenigen, die sich mit dem bloß Materiellen befassen, die unseren Alltag verschönern, unser Leben leichter machen, die scheinen zu profan zu sein.


Was einen Unternehmer, einen Entrepreneur und Kapitalisten auszeichnen kann, das wird in dem perspektivenreichen Interview mit Peter Thiel in der NZZ deutlich. Thiel wird als Paypal-Gründer und Philosoph bezeichnet. Schlaglichtartig möchte ich folgende Themen herausgreifen:


1. Nonkonformismus, Ungleichheit, Eigentümlichkeit tun dem wirtschaftlichen Wohlergehen genauso gut wie dem gesellschaftlichen.


Peter Thiel kritisiert die Entwicklung des Silicon Valley, in dem längst viel zu viel Bequemlichkeit und Konformismus herrsche:

„Die Weisheit der vielen hat sich in die Dummheit der vielen, ja in eine Art Massenwahn verwandelt. Der intellektuelle, aber auch der politische Konformismus im Silicon Valley ist zum Schreien. Um es klipp und klar festzuhalten – ich muss es auf Deutsch sagen: Die Köpfe haben sich gleichgeschaltet. Der eine sagt, was der andere sagt, um ja nicht anzuecken."

Peter Thiel fundiert seine Sichtweise mit einem Indikator, was sehr fortschrittlich ist und eine Vorausschau ermöglicht: „Wenn eine Einzimmerwohnung 4000 Dollar Miete kostet, dann ist etwas faul im Staate. Dann wird kreative Arbeit zu teuer, dann kannst du Dinge, die Zeit brauchen, nicht mehr durchziehen. Im Vordergrund steht dann der schnelle Profit. Und es dominieren die grossen Firmen mit Preissetzungsmacht, die sich solche Verhältnisse leisten können. Achtung, Blase!“ Zugleich ist seine Unterscheidung zwischen Profiteuren und Entrepreneuren bemerkenswert.


2. Es gibt einen Unterschied zwischen bloß Intellektuellen und intellektuellen Unternehmern.


Intellektuelle bleiben dem Geistigen verhaftet. Unternehmer konzentrieren sich auf Machbares. Eine Mischung ist reizvoll. Dazu passend Peter Thiel:

„Wir sollten nach ihr [der Weisheit] suchen – und sie dann auch finden und etwas mit ihr anstellen, was uns weiterbringt.“

Mich erinnert das zugleich an Ludwig von Mises, der die Intellektuellen daran erinnerte, dass nicht das Wohlstand bringe, was einem selber, sondern den Massen gefalle. Darin liegt eine wesentliche Ursache für den verbreiteten Antikapitalismus von Intellektuellen. Allerdings ist das verwunderlich und muss nicht so sein, schließlich könnten sie sich auch auf die Seite der produktiven Menschen stellen, die unser Leben verbessern. Vielleicht fällt Ihnen Kritik leichter als Lob.


3. Die Politisierung der res publica und die Krux mit den Meinungen der Menschen ist ein wiederkehrendes Phänomen.


Das Internet werde immer transparenter, also öffentlicher, und dadurch weniger privat, konstatiert Peter Thiel: „Es findet geradezu eine Politisierung des Netzes statt.“ Das sei indes nicht neu, sondern vielmehr vergleichbar mit dem Aufbrechen des Meinungsmonopols durch den Buchdruck:

„Nach der Erfindung des Buchdrucks wimmelte es plötzlich von protestantischen Schriften, die gegen die katholische Orthodoxie anschrieben, und im Netz gab es eben irgendwann ein Übergewicht konservativer Ansichten, die sich gegen den linksliberalen Mainstream richteten.“

Die Verteufelung der vermeintlichen Häretiker war stets eine Abwehrhaltung der Herrschenden.


Schließlich lässt sich trefflich über Peter Thiels politische Beobachtungen diskutieren. Als Libertärer hält er konsequenterweise Monopole, die sich aus dem Markt bilden, für weniger problematisch als solche, die das Ergebnis staatlicher Privilegierung sind. Und mit klarem Blick erkennt er, dass die Regierung eingreifen wird, wenn der Nutzen und die Zufriedenheit der Kunden nicht mehr stimmt. Man könnte das als Klage-Interventionismus bezeichnen: „Denn entweder die Firmen stellen ihre Kunden zufrieden, oder die Politik wird Regeln mit Zwang durchsetzen, die kundenfreundlich sein sollen, es am Ende aber erfahrungsgemäss kaum sind.


Hinzu kommt eine zunehmend infrage gestellte Lebensverbesserung, zumindest für die breiten Massen, und zwar materiell und mental, die die Elitenkritik befeuert: „Was aber am Ende des Tages für die Bürger zählt, ist, ob sie besser essen, ob sie bequemer leben, sich ein schöneres Häuschen kaufen können, intakte Zukunftsaussichten haben. Und wenn Sie diese Fragen nicht mit Ja beantworten können, dafür ein modisches Smartphone haben, das Sie nicht mal bedienen können, nun, dann trauen Sie nun mal keinem Ökonomen, Statistiker oder Politiker mehr über den Weg.“ Und weiter: „Die Leute hätten gerne Fortschritt, aber sie sehen keinen. Sie strampeln sich ab, und dennoch bleibt nichts übrig. Das führt einerseits zu Frust, anderseits zu Misstrauen gegenüber denen, die es besser haben. Ich würde die populistische Revolte, die den ganzen Westen erfasst, hauptursächlich darauf zurückführen. Es geht nicht primär um Anerkennung und Würde, nein, es geht um einfache, reine, harte Ökonomie.


Unternehmer mit Weitblick sind Menschen, die weitaus mehr Zuneigung und Wertschätzung verdient haben, als es in Film, Fernsehen und etablierten Medien der Fall ist. Ein Toast auf unsere Unternehmer, weltweit: Ich bin dankbar und freue mich stets über gute Produkte und Ideen!


P.S. Die Lektüre des gesamten, langen Interviews in der NZZ lohnt sich: Paypal-Gründer und Philosoph Peter Thiel: «Die Köpfe im Silicon Valley haben sich gleichgeschaltet»


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