Bewirtschafteter Wald ist besser als vermeintlich naturbelassener

Zurück zur Natur! Wirklich?

Heute dürfte die Meinung weit verbreitet sein, dass Wald und Wiesen naturbelassen sein sollten. Der Mensch solle nicht eingreifen und die Natur sich selbst überlassen. Dann könne sie sich selbst heilen. Mit Schiller:

Alles, was die gesunde Natur tut, ist göttlich.

In ihrer extremen Form macht diese Ideologie den Menschen zum Fremdkörper auf einer ursprünglich gesunden Welt. Gern angeführt wird das Earth First Journal (zitiert von Lynn Wallis in "Vital Speeches of the Day", November 1991), ein kommunistisches Ökologismus-Organ:

Der einzige Weg, die Zerstörung unseres Heims aufzuhalten, ist die Geburtsrate zu senken oder die Sterberate zu erhöhen. Es bringt nichts, einige ausgewählte Leute umzubringen. Das ist Einzelhandel. Der einfache Behelf ist biologische Kriegführung.

Weniger dramatisch und zurück zum Thema: Ist es erstrebenswert eine Entwicklung zurück zur Natur anzustreben? An diese Frage schließt sich unmittelbar die nächste an: Welcher Naturzustand soll das sein? Wir leben in Europa in einer Welt, in der die Natur fast durchweg das Ergebnis menschlicher Gestaltung ist. Die Vorstellung von natürlichen Heideflächen in Norddeutschland ist falsch, weil diese erst nach dem Abhacken der Bäume entstanden ist. Die Vorstellung von Bächen, die noch in der frühen Neuzeit voller Forellen war, verkennt ebenfalls die Realität, denn die Bäche waren wegen der viele Kadaver so nährreich. Das erläutert der Evolutionsbiologe Josef Reichholf in seiner kurzen Naturgeschichte des letzten Jahrtausends.


Aus wirtschaftlicher Perspektive wir ein Gegenstand erst dann zu einem Gut, wenn es dem Menschen nutzt und nachgefragt wird. Es lohnt sich in dieser Perspektive auf den Wald zu schauen.

Ernst-Detlef Schulze hat das letztlich in seinem Artikel Unser Wald braucht kein Ruhekissen getan. Der emeritierte Direktor des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena plädiert mit guten Gründen für die klassische, bewährte Forstwirtschaft statt romantisierender Ökologerei - von mir augenzwinkernd zugespitzt. Nach etwas Nachdenken und Assoziieren ist der Artikel für mich ein weiteres Lehrstück, das vor Doing Bad by Doing Good und vor nicht durchdachtem Aktionismus warnt. Einige Beispiele:


1. Seit 1768 sei keine einzige Pflanzenart im (bewirtschafteten) Wald ausgestorben.

Im Wald wurde auch ohne Naturschutz trotzt gelegentlicher Fehler mit Sorgfalt gewirtschaftet.

2. Den Insekten-Familien gehe es im Wirtschaftswald besser als in unbewirtschafteten Wäldern mit geschlossenem Kronendach. Das belegt Schulze empirisch gut.


3. Im Wirtschaftswald werden Produkte erzeugt, vor allem Holz für unterschiedliche Verwendungen. Das Holz wird im Wald an- und wieder abgebaut. Fossile Brennstoffe können durch die im Holz gespeicherte Energie ersetzt werden. Wenn wir den wachsenden Holzbedarf nicht aus unseren Wäldern befriedigten, so Schulze, dann müsste für jeden hier stillgelegten Hektar eine zwanzigmal so große Fläche borealen Nadelwaldes kahlgeschlagen werden.

Die von der Bundesregierung beschlossene Flächenstillegung von fünf Prozent des deutschen Waldes kostet den borealen Nadelwald jedes Jahr eine Fläche, die so groß ist wie die Waldfläche Deutschlands.

Gut, dass es Fachleute gibt, die ihre Stimme erheben. Schlecht, dass die verantwortlichen Politiker keine Verantwortung tragen. Noch schlechter, dass es keine Überprüfung der Maßnahme und ihrer Folgen gibt. Ein Unternehmen mit derart minderen Leistungen würde vom Markt verschwinden - kein Bedarf. Richtig blöd, dass man sich nicht eine andere Staatsführung wählen kann, ohne umziehen zu müssen. Und prima, dass es Forstleute gab und gibt, die sich manchem monströsem Unsinn erfolgreich widersetzen.

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