Alternative Wohltaten

„Sprengers Wohltaten“ hätte die Sammlung der 42 unbequemen Management-Wahrheiten des Bestseller-Autors Reinhard K. Sprenger heißen können.

Auch das ist eine Frage der Perspektive. Klarheit und Kraft des Denkers und Praktikers empfinde ich als wohltuend.


Andere sehen in der Kolumne für die Wirtschaftswoche eher Provokatives, bestenfalls unbequeme Wahrheiten, eben „Sprengers Spitzen“. Letztlich ist die Alliteration ein Hingucker.

„Wir brauchen den Schutz des Individuellen, um die Quellen der Ideen fließen zu lassen.“

ist eine von Sprenger formulierte Erkenntnis, die exemplarisch für sein Denken und Handeln stehen kann. Philosophie trifft auf Ökonomie, die Sorge um die Gesellschaft verbindet sich mit dem Aufzeigen einer besseren Welt in Unternehmen, Wirtschaft und Gesellschaft.


Mit dem Primat des Individuums beim Denken und Handeln werden erfahrungs- und theoriegesättigte Erkenntnisse gebündelt, die Inbegriff einer besseren Welt sind. Zeitloser Alltagsliberalismus. Unaufhörliche Weltverbesserung. Optimistische Skepsis. Konsequente Nützlichkeit. All das zeichnet den Wahlschweizer aus.

„Unklares Denken erzeugt unklares Sprechen erzeugt unklares Handeln.“

Großartig! Trifft auf Unternehmensführungen, Bürokratien und Politik zu, aber auch auf viele Gespräche vieler Bürger. Sprenger kritisierte in der dazugehörigen Kolumne die Management-Attitüde, Leidenschaft für die Arbeit in der Unternehmenswelt zu fordern. Er fordert gleichsam mehr Bodenhaftung. Dazu passt:

„Der Prozess des Organisierens ist nicht die Alternativeröffnung, sondern Alternativvernichtung.“

Kurz, aus „So-oder-so wird ein Nur-so.“ Klasse!


Diese Kritik zielt auf die Organisation von Innovationen und schließt Assessmentcenter ein. Alltag in Deutschland – in Politik und Unternehmen.


Kundenfragebögen werden kritisiert, nicht nur weil Kunden anders sprechen als handeln, sich moralisch für Ökologie stark machen, aber andere Produkte kaufen. Außerdem können so keine neuen Kunden geworben werden, die Bestandskunden nur bewirtschaftet werden.


In einer anderen Kolumne heißt es treffen, für die Moral sei die Kirche zuständig. Längst stört mich als Kunde das politisch induzierte moralische Getümmel von Unternehmen, gerade in Umweltbelangen.


Wie gelingen Teams: Gemeinsame Probleme führen uns zusammen und einander mögen ist wichtig, dazu muss man sich begegnen und an einer gemeinsamen Zukunft arbeiten. Heute gilt: Digital ist kaum sozial. Die Erfolge der Vergangenheit eines Unternehmens sind kaum relevant, das gemeinsame Gestalten der Zukunft ist es umso mehr.


Reinhard K. Sprenger ist ein attraktiver Denker und Mensch. Er ist vieles, auch der Papst der Kontingenz, der Alternative: Es ist auch anders möglich – und wird anders besser. Das ist seine wohltuende Perspektive.

Literatur: Reinhard K. Sprenger: Sprengers Spitzen. 42 unbequeme Management-Wahrheiten. Deutschlands Bestseller-Autor über Egoisten, Moral-Apostel, Vertrauenskrisen und Donald Trump, Handelsblatt Fachmedien, Düsseldorf 2018, 96 S., 19,80 Euro.

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